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Geld anlegen wie die Quandts - zum Kampfpreis

Geld anlegen wie die Quandts - zum Kampfpreis

Eine neue Generation von Robo-Beratern greift die Privatbanken an - mit ausgefeilten Anlagestrategien zum Kampfpreis. Allen voran: das Multi Family Office der Quandt-Schwestern.

Das größte Unternehmervermögen der Bundesrepublik ruht in drei Bürobauten aus Beton und Glas am Rande von Bad Homburg. Hier oben am Taunus-Hang, wo man an klaren Tagen über gepflügte Felder auf die Main-Ebene bis nach Frankfurt schauen kann, verwalten Angestellte den Reichtum der Familie Quandt. Auf der einen Seite des Seedammwegs arbeiten die Getreuen der BMW-Erben Stefan Quandt und Susanne Klatten, der Kinder von Herbert Quandt. Gegenüber lassen die Töchter seines Halbbruders Harald ihre Milliarden anlegen, angeführt von der monatlich aus Berlin einfliegenden Gabriele Quandt.

Mit ihrem Family Office - zunächst dem inzwischen verkauften Feri, heute mit HQ Trust - sind die Quandt-Schwestern Vorbilder für viele andere Clans des Landes. Als eine der ersten Familien schufen sie professionelle Strukturen für Investments in Aktien, Anleihen und Immobilien. Bereits in den 80ern steckten sie ihr Vermögen in Private-Equity-Beteiligungen und Hedgefonds, damals revolutionäre Neuerungen, riskant, aber hochrentabel.

Nun setzt sich HQ Trust erneut an die Spitze einer revolutionären Bewegung: der Digitalisierung. "Alles, was wir können, wollen wir programmieren und in eine Maschine packen", verkündet Chefstratege Reinhard Panse (55). Er möchte schließlich "nicht so enden wie Nokia" - disrupted von Apple Börsen-Chart zeigen, zermalmt von Samsung Börsen-Chart zeigen, LG und Lenovo Börsen-Chart zeigen.
Deshalb hat sich HQ Trust mit dem Berliner Wagniskapitalfonds Project A, zwei ehemaligen Bankern und ein paar jungen IT-Nerds zusammengetan und Liqid gegründet: einen digitalen Vermögensverwalter ("Robo-Advisor") der neuen Generation. War das Know-how der quandtschen Geldvermehrer bislang Multimillionären vorbehalten, so können ab dem Frühjahr auch Anleger mit mindestens 250.000 Euro Kapitaleinsatz dieselbe Anlagestrategie nutzen wie die schwerreichen Schwestern. Die Effizienzgewinne der neuen Onlineplattform machen es möglich. Eine Kriegserklärung an die Private-Banking-Gilde.

Kampfansage aus der Herzkammer des Unternehmeradels

"Im Select-Portfolio von Liqid steckt das gesamte HQ-TrustProduktportfolio", sagt Finanzchef Hanna Cimen (49), "die Anlagestrategie, die taktische Portfoliosteuerung und die Einzeltitelauswahl." Er hat das Projekt angestoßen.

Um Kunden für seinen Finanzroboter zu gewinnen, möchte er zudem kräftig in menschliche Betreuer investieren. "Ich denke da an den Private Banker, der keine Lust mehr hat auf die Strukturen der Branche", sagt Cimen. Er will das Vermögen der Kunden endlich auch in deren Sinne verwalten - möglichst effizient. In den USA wachsen Robo-Advisors, die von Menschen unterstützt werden, deutlich schneller als die rein maschinellen Pioniere. Zumindest die vermögendere Liqid-Klientel soll 2016 auch noch in den Genuss von Private-Equity-Fonds kommen. "Wir öffnen diese Anlageklasse erstmals online für Privatanleger", verspricht Cimen.

Die Kampfansage aus der Herzkammer des deutschen Unternehmeradels dürfte viele traditionelle Private-Banking-Adressen kalt erwischen. Sie müssen aufpassen, dass sich ihr altehrwürdiges Image nicht in ein altbackenes verkehrt - Kundentermin am Birnbaumholztisch versus Portfoliosteuerung via Smartphone.

Solange es zu den Privatbankiers keine wirkliche Alternative gab, haben die Kunden das vielerorts noch vorherrschende Erbtantenambiente ertragen, ebenso wie die Intransparenz, die hohen Gebühren und die oftmals mäßige Rendite. Das könnte sich nun ändern.